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Donnerstag, 19. Februar 2015

Alte Zukunft

Ist es nicht merkwürdig, wie schnell Zukunft schal wird? Nicht nur in Zeiträumen wie von jetzt bis Jules Verne oder weiter bis Thomas Morus. Nein, sondern wie sogar zu unseren Lebzeiten Zukünfte alt werden?
Ich höre gerade wieder alte Kraftwerk-Platten. Die Musik ist nicht alt geworden aber die Themen sind extreme Zukunft-von-gestern.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Schlechte Musiker 1: Till Brönner

Mir gehen ja solche Dampfschwafler gehörig auf den Geist. Vielleicht ist es nicht ganz so leicht, Vernünftiges von sich zu geben, wenn einem ein Mikro in den Mund gehalten wird, ich kenne solche Situationen nicht. Aber als Musiker von Weltniveau sollte man doch besser wissen, was man sagt.

Till Brönner, von SPON als "Star-Trompeter" bezeichnet, wurde neulich (am 26.11.) von ebendiesem Magazin (*) zu diesem und jenem interviewt, wahrscheinlich als Teil irgendeiner Marketingcampagne, an der der Spiegel stillschweigend teilnimmt. Unter anderem wurde der Musiker zu Aussagen gedrängt über die Bedeutung des Jazz in der Welt, in Europa und in Deutschland, ein Rundumschlag, den Brönner versuchte mit Bedeutung zu füllen. Dabei sagt er dann auch so etwas:
Deutscher Jazz hingegen hat es nicht immer leicht. Das liegt sicher an unserer nicht unproblematischen Geschichte, aber auch an unserer eigenen Mentalität. Wir trauen uns nicht unsere eigenen Musiker stolz zu präsentieren [...]

Samstag, 17. November 2012

Gute Musik: Ska Cubano, Mambo Ska

Hier liegt so viel Genörgel auf meiner Platte, dass es bei objektiver Betrachtung ungesund wirkt. Man traut sich gar nicht, das unter die Leute zu bringen. Also brauche ich etwas positives, etwas mit good vibrations, das sich lohnt. Und glücklicherweise gibt es so etwas.

Ein Londoner Musiker hat sich die Frage gestellt, warum 2 Inseln wie Jamaica und Kuba, die so nahe beieinander liegen, sich nie musikalisch begegnet sind? Reggae, Ska und Son haben sich vollkommen unabhängig entwickelt und verbreitet. Verbreitet haben sie sich ungemein, aber irgendwie immer ohne sich zu überschneiden.



Zumindest in London haben die beiden Musikstile sich doch getroffen. Und flugs gibt es eine Band, die Ska mit Son mischt, Cumbia und Reggae zusammenbringt: Ska Cubano. Als Beschreibung klingt das zwar etwas merkwürdig, funktioniert aber großartig. Ich schätze mal, ein Konzert von denen dürfte umwerfend sein. Hier ein paar meiner Lieblingsstücke von Mambo Ska:


Vielleicht findet sich ja jemand, der mir erklären kann, was "barbaro nino" anderes bedeuten kann, als "bärtiges Kind"?

Oder der hier; bei dem handelt es sich, soweit ich das verstehen kann, um einen Song über eine junge Frau, die glaubt zu ersticken, wenn die Männer beim Tanzen sie zu sehr bedrängen. Nur wenn sie mit Pepe tanzt, dann fühlt sie nichts:



Und ich frage mich: Ist das gut für Pepe oder schlecht?

Samstag, 20. November 2010

Adrian Belew Power Trio, live in Berlin im Quasimodo

Es ist fast nicht zu fassen, schon wieder gab es ein großartiges Konzert. Adrian Belew kam gestern am 19.11.2010 mit seinem Power Trio nach Berlin ins Quasimodo. Die Ankündigung dieses Auftritts ist vollkommen untergegangen, es gab keine Hinweise im Radio, keine Plakate in der Stadt, gar nichts und ich hätte ihn völlig verpasst, wenn ich nicht vor einiger Zeit zufällig bei nostalgischem Googeln darauf gestoßen wäre.

Belew kenne ich schon recht lange. Er ist mir zum ersten Mal mit der "Remain in Light" von den Talking Heads aufgefallen, danach bei Tom Tom Club und Laurie Anderson. Am stärksten hat er mich aber mit der 80er-Jahre Neuauflage von King Crimson beeindruckt. Ich kenne dazu noch einige seiner Solo-Alben, wie "Lone Rhinos" oder "Young Lions", "Side One" und andere. Es war also praktisch unvermeidlich, dass ich da hingehe.

Samstag, 6. November 2010

Rainald Grebe wunderbar!

Rainald Grebe ist wieder unterwegs, diesmal mit großem Orchester, mit dem weltberühmten Orchester der Versöhnung. Grebes Kapelle von früher, die ihm so gute Dienste geleistet hatte bei dem Programm "1968", bei "Volksmusik" und vielen anderen, ist gewachsen. Sie wurde erweitert um einen Bassisten, einen Orgelspieler, einen DJ und ein Streichquartett. Der Bassist kann auch Alphorn und Tuba. Aber ansonsten hat sich nicht viel geändert.

Grebe macht die üblichen Mätzchen, wozu er sich manchmal Musiker seines Ensembles ausguckt.
Wussten Sie eigentlich, meine Damen und Herren, dass Bassisten keine hohen Töne vertragen? IIIIIIIIIIII ....
Oder der hier:
Ich bitte um einen leisen Applaus für Helmut. Er ist nämlich sehr schreckhaft.

Auch die Stücke sind nicht schlecht. "Oben" hat mir beispielsweise sehr gut gefallen. Dabei rollt Grebe unaufhörlich mit seinem Klavier-Bürostuhl über die Bühne. Sehr beeindruckend! Grebe beteiligt sein Publikum, was einen angemessen demokratischen Eindruck macht, z.B. beim Handtaschentanz:

Samstag, 23. Oktober 2010

Nostalgisches Googlen

So was gibts. Man hört etwas und denkt sich, das käme einem doch bekannt vor, irgendwoher kenne ich das doch? Und bevor man sichs versieht, hat man mehrere Stunden vor dem Rechner zugebracht und lauter altes Zeug ausgegraben, das eigentlich direkt mit der Initialfrage gar nichts zu tun hatte. So kommt man beispielsweise von iranischen Asylanten in Deutschland, die ihre Heimat vermissen zu Zupfgeigenhansel und Theodor Kramer und dann weiter zu Bernies Autobahnband. 
Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber angeblich hat Deutschland nur 50 der iranischen Asylsuchenden aufgenommen, die es geschafft haben, nach den Unruhen im Iran von dort zu flüchten. Das ist eine unglaubliche Bankrotterklärung dieses Landes. 50, wie erbärmlich! Man sollte allen, die es schaffen von dort zu entkommen, die Möglichkeit geben, hier in Deutschland zu bleiben, zumindest bis sich im Iran etwas ändert. Sie sollten hierbleiben können, um sich selbst etwas aufzubauen oder in ihrer Heimat etwas zu ändern. Man verlässt seine Heimat schließlich nicht so ohne weiteres. 
Das hat mich dann dazu geführt, dass ich früher mal ein Lied von Zupfgeigenhansel gehört hatte, das - zumindest für mich - sehr eindrücklich die Schmerzen der Entscheidung beschreibt, ob man ein Exil der miserablen Heimat vorzieht. Das Original gibts wohl nicht im Netz sondern nur eine, recht akzeptable, nachgespielte Version, die man aber nicht einbetten kann, drum hier nur der Link:


Es ist, zugegeben, etwas  pathetisch, aber mich beeindruckt es auch noch nach so vielen Jahren.

Montag, 27. September 2010

Manu Dibango et Le Soul Makossa Gang, Greg Burk and Rakalam Bob Moses

Was es nicht alles gibt! Z.B. gibt es ein
"European Jazz Jamboree Berlin. Berlin meets Africa and the world's most famous drummers".
Das klingt, als wäre es eine perfekte Mischung: Afrikanische Musik und Schlagzeuger, der Welt beste. Heute abend waren folgende dran:
  • Greg Burk and Rakalam Bob Moses
  • Manu Dibango et Le Soul Makossa Gang
Aufmerksam geworden auf das Konzert bin ich nur wegen Manu Dibango. Aber als ich vor dem Konzert meine Eintrittskarte suchte, viel mir dann ein, woher ich den ersten Namen kannte. Anfang der achziger Jahre besaß ich eine fantastische LP: Bob Moses, When Elefants Dream of Music. Bob Moses hatte sich seitdem offenbar noch einen Namen zugelegt: "Rakalam". Dieser Musiker ist mit Sicherheit einer der weltbesten Schlagzeuger, das war also nicht zu viel versprochen.Was soll man dazu sagen? Zufälligerweise habe ich eine Karte für ein Konzert mit zwei meiner Lieblingsmusiker aus der ersten Hälfte der 80er Jahre gekauft!

Wer aber auf die Idee kam, beide direkt nacheinander auftreten zu lassen und das Ganze dann noch "African Dance Night" zu nennen, ist allerdings mit dem Klammerbeutel gepudert gewesen.

Sonntag, 11. Juli 2010

Laurie Anderson, Homeland

Es kommt mir vor, als kenne ich Laurie Anderson schon mein ganzes Leben lang. Gut, jetzt vielleicht nicht wirklich mein gesamtes Leben. Ich glaube, zum ersten mal habe ich von ihr gehört als sie ihren meines Wissens nach einzigen Hit mit der LP Mister Heartbreak gelandet hatte. Das ist schon ca. 30 Jahren her. Und natürlich kenne ich die Frau Laurie Anderson überhaupt nicht, aber über ihre Musik, ihre LPs, CDs, Konzerte und Interviews habe ich doch das Gefühl, ich kennte ein wenig die Person Laurie Anderson.

Die Art ihres nicht-Gesangs, des erzählenden Singens und das komische Instrument - die elektronische Geige - haben mich schon immer äußerst faziniert. Sie erzählt immer Geschichten, the ugly one with the jewels. Diese Geschichten sind manchmal absurd, oft haben sie aber auch einen belehrenden Unterton: Seht her, wie komisch, wie grotesk wir sind. Wegen ihr habe ich Mobi Dick im Original gelesen.

Ich habe tatsächlich mit Laurie Anderson Englisch gelernt, das war etwas, wofür sich das Blättern im Lexikon lohnte. You can be silent in four different languages. Ich war schon immer gefesselt von ihrer Stimme. Das leicht dunkle Timbre passt sehr gut zu ihrer Art und Weise zu erzählen. Ihre Erzählungen sind sehr intensiv, sie ist eine großartige Erzählerin.

Gedichte und Geschichten, die ich als belehrend empfinde, sind mir normalerweise zuwider. Bei Laurie Andersons ist das anders. Sie fällt bei mir in eine ähnliche Kategorie wie Ray Bradbury. Das ist der einzige, dessen Kurzgeschichten ich noch mit Begeisterung lese. Die meisten anderen sind mir zu banal oder zu kurz. Laurie Andersons Geschichten über die Vögel vor der Erschaffung der Welt sind dagegen weder kitschig noch banal sondern überaus poetisch. Und Laurie Anderson ist es früher schon gelungen, mir völlig ungedachte Gedanken in den Kopf zu setzen. Do all oceans have walls?

Homeland ist eine großartige CD von poetischer Kraft. Sie erschließt sich nicht beim ersten Hören, noch nicht einmal beim dritten. Das verspricht aber sehr viel Vergnügen beim weiteren Erforschen der CD. Die beiliegende DVD mit der "Story of the lark" hebe ich mir für schlechte Zeiten auf.

Ich habe das Gefühl, ich kenne Laurie Anderson schon seit ewigen Zeiten. Und jedes mal, wenn ich eine neue CD von ihr finde, ist es, als käme eine alte Bekannte zu Besuch. Bei Kaffee und Kuchen und Wein erzählt sie mir dann an einem Nachmittag, was alles neues sie gesehen und erlebt hat. Und ich freue mich.

Ich wünsche Laurie Anderson noch ein langes Leben und mir noch viele solche Besuche.

Sonntag, 10. Januar 2010

The Honeymoon Killers: "Les Tueurs de la Lune de Miel"

Ich musste umziehen, meine alte Wohnung wurde definitiv zu klein, kein Platz mehr für Bücher, Musik oder gar neue technische Spielzeuge. Der Umzug war aufwendig. Die gemessenen 40 Regalmeter Bücher entpuppten sich als trügerisch, da die Bücher dort teils quer gestapelt waren, teils in 2 bis 3 Reihen standen. Auch die CDs, die Musik, waren nicht das, was sie mir während der Planung erschienen. Waren bei der Planungsphase nur 2 CD-Ständer und ein ca. 80 cm breites Regalbrett als Aufbewahrungsort der CDs direkt sichtbar, stellte sich beim Einpacken aber heraus, dass es noch zahlreiche Depots gab, die sich dem offenen Blick entzogen hatten. Kurz gesagt, war es ungefähr die 3-fache Menge als geplant, die in den Kisten verstaut werden musste. Und da viele CDs sich versteckt gelagert hatten, war es kein Wunder, dass ich beim Einpacken auf Exemplare stieß, mit denen ich nie gerechnet hätte. So gab es zwei mal von Eric Marchand & Les Balkaniks "Pruna". Ich kann mich daran erinnern eine CD einmal nach langem Suchen bei Dussmann gefunden zu haben, aber wo die andere herkommt, will mir partout nicht einfallen. Die hat mir mit Sicherheit niemand geschenkt, diese Musik kennt niemand und würde auch niemand mögen.

Beim Einpacken meiner LPs sind ein paar alte, mir früher sehr teure LPs zum Vorschein gekommen, die ich lange nicht mehr gehört hatte und die ich am liebsten sofort aufgelegt hätte, wenn ich nicht in Vorwegnahme solch zeitraubender Sentimentalitäten als erstes meine Anlage abgebaut und verpackt gehabt hätte. Das Einpacken hat auch so schon lange gedauert, hätte ich jedes alte Schätzchen liebevoll in rührender Sentimentalität aufgelegt, wäre ich niemals im Leben aus dieser Wohnung rausgekommen. Beim Einpacken einer dieser LPs dachte ich mir (mal wieder): "Meine Güte, DIE musst du unbedingt nach den Umzug digitalisieren". Das war die LP von The Honeymoon Killers, "Les Tueurs de la Lune de Miel".

Beim Einpacken der CDs fiel mir dann doch tatsächlich in die Hände: The Honeymoon Killers, "Les Tueuers de la Lune de Miel" + Zusatzsongs. Da war ich dann wirklich baff. Wann hatte ich die denn gekauft? Und was waren das für zusätzliche Stücke? Live! Hilfe, mein Gedächtnis lässt anscheinend in dem Maße nach, in dem meine Kaufwut seltene Musikschätze aus dem Internet an Land zieht. Eine CD konnte man beiseite legen, schnell mal für den MP3-Player kopieren und am nächsten Tag mit zu den Büchern packen.

Das war wirklich die CD der LP mit ein paar Stücken mehr. Es gibt die "National 7", "Rush", "Fonce à mort" und all die anderen Musikstücke, die ich früher so genial fand und -- sehr erstaunt -- immer noch wunderbar finde. Franko-belgischer New-Wave-Punk, das war großartig und ist es heute noch. Leider musste ich im Text zu der CD lesen, dass der Sänger offenbar kurz nach dieser einzigen LP der Band den Weg aller Sänger gegangen ist, die berühmt werden wollen, er ist bei einem tragischen Unfall verstorben. Das würde erklären, warum ich nie wieder etwas von den Honeymoon Killers gehört hatte.

Ich verstehe diese Texte heute leider nicht viel besser als früher, aber nachsehen, was "bajouiller" heißt, musste ich nicht mehr, das kannte ich noch von früher. Es gibt bei youtube ein Video der Honeymoon Killers, das sieht furchtbar aus. Das sieht aus, wie das schlimmste der 80er Jahre und der 70er dazu. Wenn man aber die Auge zumacht und nur hört, dann wird man feststellen, die sahen damals alle ziemlich scheiße aus, wussten es nicht und waren auch noch stolz darauf, die Musik war aber viel besser als fast alles, das heute aus dem Radio schleimt. Und das kann man dann in anderen Videos sehen und hören:




Die Live-Zusatzsongs machen mir Bauchschmerzen. Ich neige normalerweise nicht dazu, verschwundenen Gelegenheiten hinterherzutrauern, aber diese beide Live-Stücke hauen mich vollkommen von den Socken, so sehr, dass ich mich wirklich ärgere, früher zu jung gewesen zu sein, um zu einem der Livekonzerte der Honeymoonkillers gefahren zu sein. Ich hätte damals tatsächlich nicht hinfahren können, egal, wohin sie zu einem Konzert gekommen wären. Aber so wie sie klingen, hätte man sie sie unbedingt sehen müssen: Ein wenig wie Frank Zappa auf belgisch, wild frei und wütend, ich hätte niemals diese Musik als die Honeymoon Killers wiedererkannt. Die Live-Stücke klingen wie Free-Jazz-Punk, absolut großartig. Verpasste Gelegenheiten.

Für wenig Geld lässt sich aber dieser Schmerz, lassen sich diese zahlreichen verpassten Gelegenheiten etwas mildern, ein Stück weit wiederherholen:

The Honeymoon Killers, Les Tueurs de la Lue de Miel

Neu aufgelegt, mit Hörbeispielen, zum Nachhören und Nachfühlen, spontan aus meiner CD-Sammlung aufgetaucht

Dienstag, 28. April 2009

Oregon : Oregon

Ich verstehe nicht viel von Musik. Ich weiß eigentlich nur, wie man auf einer Gitarre einen e-moll-Akkord greift und wo auf einem Klavier die Tasten für C-Dur liegen. Aber trotz dieser musikalischen Unkenntnis gehört zu meinen liebsten Erinnerungen aus meiner Jugend das Anhören einer wirklich nicht unkomplexen LP: Oregon, von der großartigen Band gleichen Namens. Nachdem ich sie damals im Radio auszugsweise gehört hatte (ja, liebe Kinder, damals konnte man noch in einem ganz normalen Radioprogamm wie dem WDR 2 völlig abgedrehte aber lohnenswerte Musik hören, die es sonst nirgends gab -- aber, das will ja heute keiner mehr wissen und ist sowieso eine völlig andere Geschichte), ging ich im Erscheinungsjahr der LP 1983 in einen ganz normalen Plattenladen und kaufte mir dieses Wunderwerk vom mühsam ersparten Taschengeld.

Es ist definitiv Jazz, aber was für welcher? Classic, weil die Musiker ein klassisches Meisterwerk geschaffen haben und dabei laut Plattentext alte, geradezu bach'sche Spiel- und Kompositionstechniken benutzten? Oder Free-Jazz? Nein, free war das ganz und gar nicht, was da aus den Lautsprechern klang, auch wenn damalige Schulkameraden fluchtartig verschwanden, sobald man beim gemeinsamen Hausaufgabenmachen die LP auflegte oder die Eltern sich oft über das vermeintlich atonale Gekreische aufregten, das da aus dem Sohneszimmer dröhnte. Modern? Gut, modern war es sicher, aber klingt es nicht auch ein wenig nach einer Heuernte in einem idyllischen Dorf in der Renaissance? Nun, die Musik war auf jeden Fall nicht sehr gesellig, sie war auch nichts für die Mädchen zu den damaligen NDW-Zeiten, aber das machte nichts, weil man bei dieser Musik sowieso nichts anderes tun konnte als zuzuhören. Und so vergingen denn die Jahre. Anfang der 90er zerstörte ich bei einem absurden Bügelunfall diese wunderbare LP und Mitte der 90er fraß ein billiger Walkman die zugehörige Kassette.

Ich war

musiklos!

Ich konnte die Platte nicht mehr wiederfinden und meine halbherzigen Versuche, sie in irgendwelchen vermeintlichen "Spezialläden" zu bestellen oder gar zu kaufen, schlugen alle fehl. Dann wurde das Internet erfunden, das IP-Protokoll HTTP und die Online-Shops wie Amazon. Und vor ungefähr zwei Monaten stellte ich fest, dass auf einmal die Suche nach Oregon Oregon nicht mehr vergeblich war. Es gab sie wieder! Als CD! Neuauflage von ECM-Klassikern! Gut, die Verpackung ist schon recht peinlich, eine einfache Papphülle, in die die CD lieblos eingesteckt ist. Als Cover musste das verkleinerte Original-Cover herhalten. Aber, meine Güte, das ist alles egal! Ich hab sie wieder - neu!

Mittlerweile weiß ich auch, was das für Musik ist. Es ist Synästhesie für Dysästhetiker (oder wie immer auch letztere heißen mögen). "The Rapids" zeigen dem Hörer wirklich einen munteren Bach mit Stromschnellen. Man hört das Wasser plätschern und fühlt die Spritzer auf der Haut, die Sonne scheint und im Aerosol über besonders lebhaften Stellen des Baches kann man andeutungsweise Regenbogen erkennen. Bei "There Was No Moon That Night" ziehen in einer Neumondnacht einige Wolken an den Sternen vorbei und irgendwie riecht es nach beginnendem Herbst. Nur "Impending Bloom" will keine rechte Vorstellung von schweren, riesigen Blüten aufkommen lassen, die sich langsam und majestätisch öffnen. Dafür kann ich dabei den Rhythmus immer noch nur fast mitklatschen.

Ich hab' sie wieder - neu! Und kann sie allen nur zutiefst empfehlen und wärmstens ans Herz und ans Ohr legen:

Oregon, Oregon. 1983, ECM 1258; 2008, ECM Records (Universal)

Dienstag, 30. Dezember 2008

Skeletons: Money

Es passiert sehr viel seltener als früher, dass ich auf neue Musik stoße. Diesmal geschah es mit Skeleton: Money.

Schubladen für diese grandiose CD sind leicht zu finden, ein wenig Defunkt und viel Lounge Lizards sowie sehr viel Amon Düül. Allerdings wäre ich bereit ein ganzes Bier zu wetten, dass diese Amis von Amon Düül noch nie gehört haben.

Egal. Der Blog zur Band ist nicht so gut, die spaßigen Fakten sind auch gewöhnungsbedürftig. Die Leute aber würde ich furchtbar gerne mal live sehen.

Kaufen. Kaufen.
 

Ihr Browser versucht gerade eine Seite aus dem sogenannten Internet auszudrucken. Das Internet ist ein weltweites Netzwerk von Computern, das den Menschen ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation bietet.

Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei Ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

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